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Friday
VVK: 25.- €*  *zzgl. Vvkgeb.
KARTEN: Koka 36
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22.07.
20:00H | 21:00H
Greyzone Concerts präsentiert:

MF DOOM(USA)

& ANTIPOP CONSORTIUM ( BIG DADA )
& INFINITE LIVEZ ( BIG DADA )
& SUFF DADDY ( MPM-REC. )
& BEATEVOLUTIONERS AKA GRIZZLY ADAMS, MILLIONAER, iGADGET & LEBOB
& DJ FLOW
AFTERSHOWPARTY MIT THE SMELLS & FRIENDS

MF DOOM(USA)

MF steht für Metal Face - schließlich ist die Maske, die Undergroundrapper MF Dooms Gesicht verbirgt, das Erste, was ins Auge springt. Bis er den Mund aufmacht. Dann ist klar: MF steht für Mad Flows. Vielleicht aber auch für Metal Fingers, seinem Alias, unter dem er Instrumentalproduktionen veröffentlicht. In jedem Fall für Multi Faced. Daniel Dumile kommt irgendwann um 1970 in London zur Welt. Die Familie siedelt kurz darauf nach Long Island über. Daniel wächst, wie die meisten Jungs seiner Zeit, mit Comic-Büchern und Atari-Videospielen auf. Die Welt der Fantastic Four und ihres Gegenspielers Dr. Doom wird ihn auf lange Sicht nicht mehr loslassen. Diese Besessenheit und sein Nachname Dumile tragen dem jungen Daniel schon früh den Spitznamen "Doom" ein. Unter dem Einfluss von EPMD, De La Soul, Public Enemy und BDP formiert sich etwa um das Jahr 1985 Daniels erste Crew. Sein jüngerer Bruder DJ Subrock, Onyx The Birthstone Kid und er selbst unter dem Alias Zev Love X bilden KMD, Kausin Much Damage. 1987 lernt Daniel Serch von 3rd Bass kennen; KMD werden kurzerhand zu einem Gastauftritt auf dem eben anstehenden Album gebeten. Zev Love X tritt - gepresst auf Vinyl - zum ersten Mal mit "The Gas Face" in Erscheinung. 1991 veröffentlichen KMD, mittlerweile bei Elektra Records unter Vertrag, ihr erstes Album "Mr. Hood" (zu dem die Labelkollegen von Brand Nubian, mit denen KMD häufig verglichen werden, einen Beitrag leisten) sowie ein in der Szene viel beachtetes Video zu "Peachfuzz". Wie so oft, wenn die Dinge gut zu laufen scheinen, schlägt das Schicksal zu: KMD stecken mitten in der Produktion ihres zweiten Albums "Black Bastards", als DJ Subrock 1993 bei einem Autounfall ums Leben kommt. Der unerwartete Verlust wirft Daniel aus der Bahn, er verfällt in Depressionen. Dennoch beenden KMD die Arbeit an "Black Bastards". Daniel ist erst Jahre später bereit, sich in Interviews über diese Zeit zu äußern. Er zieht Parallelen zum Tod von BDP-DJ Scott La Rock, der etwa in dieselbe Zeit wie Subrocks Unfalltod fällt. Obwohl viele mit dem Ende der Crew rechnen, veröffentlichen BDP "By All Means Necessary". "The show must go on", ist sich Daniel nun sicher. Er betrachtet es als seine Pflicht, die Vorhaben seines jüngeren Bruders zu Ende zu führen. Die Familie lebt nach der Trennung der Eltern in miserablen materiellen Verhältnissen und die Brüder sehen in ihrer musikalischen Karriere die Möglichkeit, Mutter und Schwester ein besseres Leben bieten zu können. KMD stellen "Black Bastards" zwar fertig, zu einer Veröffentlichung kommt es allerdings nicht. Die Plattenfirma erachtet das Cover-Artwork als zu kontrovers und rassistisch und kippt das Projekt. Daniel Dumile verschwindet daraufhin vollständig von der musikalischen Bildfläche. In den Jahren 1994 bis 1998 ist von Zev Love X nichts zu hören. Daniel zieht nach Altlanta, gründet eine Familie und widmet sich in erster Linie seinem Sohn. Er lässt rückblickend verlauten, diese Zeit genutzt zu haben, um sich von seinen Verletzungen zu erholen und seine Rache vorzubereiten, gegen "the industry that so badly deformed him". Tatsächlich beginnt er bereits kurz nach der Fertigstellung von "Black Bastards" mit der Arbeit an "Operation: Doomsday". Die Produktion zieht sich allerdings ewig hin. Daniel steht die ganze Zeit über in engem Austausch mit seinem Freund Bobbito Garcia, der 1995 das Independent-Hip Hop-Label Fondle 'Em Records gründet. Von "Black Bastards" kursieren unterdessen zahlreiche Bootleg-Versionen. Zev Love X' Ruhm in der Underground-HipHop-Szene wächst. Anfangs ist nur wenigen Eingeweihten bekannt, mit wem sie es zu tun haben, als 1998 im Nuyorican Poets Café ein mit einer Strumpfmaske vermummter Freestyle-MC beginnt aufzutreten. Allerdings bleibt das Geheimnis nicht lange ein solches: Bereits ein Jahr später schickt Daniel sein neues Alter Ego zurück auf die Bühnen der Rap-Szene. MF Doom beginnt seinen Kreuzzug. Die allgegenwärtige Maske (gestaltet von Graffitikünstler Lord Scotch aus einer Replik des Helms aus dem Sandalen-Monumental-Film "Gladiator"), die natürlich ebenfalls an die Marvel-Comic-Vorlage des Dr. Doom angelehnt ist, versteht MF Doom als Statement gegen Ausgrenzung jeglicher Art, gegen Rassisten und Sexisten. Er spricht: "Mein Shit ist dope. Da ist meine Fresse, meine Hautfarbe und mein Geschlecht total egal." Eine gehörige Portion Selbstschutz ist allerdings auch dabei: "Diese verdammte Maske hat es mir erlaubt, wieder mit dem Rappen anzufangen." "Operation: Doomsday" markiert das Ende der selbstverordneten musikalischen Schaffenspause. Das Album, selbstverständlich veröffentlicht auf Fondle 'Em Records, gilt als eines der besten Underground-HipHop-Werke aller Zeiten. Möglich, dass die lange Produktionsdauer einen qualitätsfördernden Reifeprozess ermöglicht hat. MF Doom präsentiert mit "Operation: Doomsday" einen Klassiker des Genres. Bereits hier kollaboriert er mit seinem Freund und Labelgenossen MF Grimm, der schon zu KMD-Zeiten mit ihm rappte. Grimm, geboren und aufgewachsen in Manhatten, ist seit den frühen 90ern im Hip Hop-Geschäft - er lässt sich weder von einer Schießerei, die ihn in den Rollstuhl befördert, noch von diversen Gefängnisaufenthalten auf seinem Weg stoppen. Sein Debüt "The Downfall Of Ibliys: A Ghetto Opera" spielt er, bevor er seine Haft antritt, innerhalb von 24 Stunden ein. Die Produktion des Albums übernimmt, keine Frage, MF Doom. Spricht man von erfolgreichen Rapper-Produzenten-Gespannen wie Gang Starrs Guru/DJ Premier oder Snoop Dogg/Dr. Dre können sich auch die beiden Metalfaces einreihen. Doom-Beats und Grimm-Rhymes harmonieren bestens, wie diverse gemeinsame Veröffentlichungen beweisen. 2002 beginnt MF Doom unter dem Alias "Metal Fingers" mit der Produktion einer Reihe von Instrumentalalben unter dem Obertitel "Special Herbs". Im darauffolgenden Jahr erreicht der Output Rekordniveau. Neben einer "Special Herbs"-Ausgabe, einem KMD-Best-Of-Album und einem Album der Monsta Island Czars (MF Grimms MC-Kollektiv, dessen Rapper sämtlich nach japanischen Filmmonstern benannt sind), remixt MF Doom Tracks von Nas ("Nastradoomus") und führt der Fangemeinde zwei weitere Alter Egos vor: King Geedorah mit "Take Me To Your Leader" und Viktor Vaughn mit "Vaudeville Villain". Die Charaktere Doom, Geedorah und Viktor Vaughn unterscheiden sich in Thematik und Arbeitsweise, denn Daniel Dumile verbittet sich eine Vermischung der Figuren untereinander. Multiple Charaktere erlauben, so sagt MF Doom, unterschiedliche Standpunkte und Sichtweisen. Ob Viktor Vaughn ihm da beipflichten würde, sei dahingestellt. Der aberwitzige Ausstoß qualitativ hochwertigen Materials setzt sich nahtlos fort. Das Jahr 2004 sieht die Fortsetzung der Metal-Fingers-Instrumentalreihe, Viktor Vaughns zweiten Longplayer "Venomous Villain", ein weiteres MF Doom-Album ("Mm... Food?", auf dem MF Doom das Experiment unternimmt, das Leben, das Universum und den ganzen Rest mittels Nahrungsmittel-Metaphern erklären zu wollen), sowie "Madvillainy", das Ergebnis der Zusammenarbeit mit Produzent Madlib unter dem Namen "Madvillain". Auch 2005 ist kein Ende abzusehen: MF Doom präsentiert "Live From Planet X", sowie "Special Blends" mit MF Grimm. Der Maskenmann lebt die Verwirrungstaktik. So ist die Verwunderung nicht groß, als sich einige Konzertgänger beschweren, sie hätten bei der angekündigten Doom-Show lediglich ein Playback-rappendes Bodydouble des Rap-Schwergewichts vor die Nase gesetzt bekommen. Erklärungen gibt es vom Meister selbst natürlich nicht. Vielmehr schließt er sich ins hauseigene Studio ein und bastelt motiviert an seinem Solo-Album "Born Like This". 2009 übertrifft der Langspieler mit Beats von Madlib, Dilla und Doom selbst die Erwartungen. Der Supervillain ist zurück. So undurchschaubar wie eh und je, folgt er dennoch dem grundsätzlichen Leitspruch nach wie vor: "Wenn es simpel, straight und trotzdem abstrakt ist, dann ist es heiß."
Greyzone Concerts